Der Schässburger Gruss, eine Aufforderung, die auch schon Götz von Berlichingen verwendete, lässt bei seiner Erwähnung alle Schässburger schmunzeln. Es war um die Jahrhundertwende in einer lauen Mainacht auf dem Kurfürstendamm in Berlin, als ein gutgekleideter junger Mann auf den diensthabenden Polizisten zutrat, höflich den Hut lüftete und ihm lächelnd den "Götz von Berlichingen" in der ganzen Welt so wohl bekannten Gruss entbot. Der Polizist, in seiner Beamtenehre tief verletzt, nahm ihn kurzerhand fest und brachte ihn auf die Wache. Vergebens behauptete dort der junge Mann, dass sein Gruss in keiner Weise beleidigend gewesen sein könnte, sei er doch in seiner Heimatstadt gang und gäbe. Er wurde eingelocht. Sicherheitshalber aber frug die Berliner Polizeidirektion in Schässburg an, ob die Behauptung des Delinquenten der Wahrheit entspräche. - Prompt traf folgende Antwort ein:
| Der Polizeidirektor der königlichen Freistadt Schässburg an das Polizeipräsidium Berlin. In Beantwortung Ihres werten Schreibens vom 17.Mai h.a. teilen wir Ihnen folgendes mit:
Die von Herrn Fritz Markus gemachten Angaben entsprechen den Tatsachen. Der beanstandete Gruss wird in der hiesigen Bevölkerung mit Vorliebe gebraucht, weshalb er auch "Schässburger Gruss" heisst. Er wird vorzüglich bei folgenden Gelegenheiten angewendet:
Der Polizeidirektor Reinhardt. |
So wurde der Schässburger Gruss weit über die Grenzen des Vaterlandes berühmt und damit auch Schässburg selbst.
Der Rasierer Lingner, der mit dem Kaiser-Wilhelm-Schnurrbart, hatte seinen Laden oben am Markt neben der Salmenischen Apotheke. Eines Tages konnte er in bessere Räumlichkeiten unten am Markt gegenüber von Olah umziehen. An der Tür des früheren Ladens brachte Herr Lingner eine Tafel an mit der Aufschrift:
"Oben wird nicht mehr rasiert, nur noch unten".
Als junger Lehrer traf Vinz eines Sonntags seinen Vater im Gasthaus, der dort am Stammtisch sass; ein energischer Mann mit grossem Schnurrbart, doch einen ganzen Kopf kleiner als sein Sohn.
"Wiest tea net, dat et sich fu en San net schäkt änt Wirtshaus ze goohn, won a segd, dat seng Voter uch do es? "
rief der Alte im Spass. Vinz trat vor den Vater, sah auf den kleinen Mann herab und erwiderte mit hochgezogenen Augenbraunen und erhobenem Zeigefinger:
"Wä ech esi klin wor wä tea, bän ech iwerhift net än't Wirtshaus gegangen".
( Vater: Weisst Du nicht, dass es sich für einen Sohn nicht schickt, ins Wirtshaus zu gehen, wenn er sieht, dass sein Vater auch dort ist?" -- Sohn: "Als ich so klein war wie Du, bin ich überhaupt nicht ins Wirtshaus gegangen." )
Vor der Jahrhundertwende studierten die Schässburger Fritz, Hans und Karl in Graz gemeinsam Medizin. Eine reiche Erbschaft erlaubte es Karl, sich nebenbei eine eigene Jagd zu leisten und wenn ihm die Göttin Diana hold gewesen war, lud er seine beiden Freunde stets zu einem feuchtfröhlichen Wildbretessen in das Gasthaus Cajetan ein. Während nun wieder einmal ein appetitlich duftender Hasenbraten auf dem Tische stand, bemerkte Fritz scherzhaft, man könnte es doch bei Gelegenheit auch mit einem "Dachhasen" versuchen, weil sich ein solcher sicherlich ebenfalls schmackhaft zubereiten lasse. Entsetzt behauptete daraufhin Hans, er würde beim Genuss von Katzenfleisch bestimmt totkrank werden, was einen medizinischen Disput darüber auslöste, ob denn die Einbildung wirklich eine Krankheit zu verursachen vermöchte. Um die Probe auf's Exempel zu machen, besorgten sich Fritz und Karl bald heimlich einen Kater, den Cajetans Köchin dem Trio umgehend zum Abendessen als "Hasen" servierte, dessen Geschmack Hans diesmal sogar besonders lobte. Wochen später, nachdem selbst der letzte Rest des Katzenfleisches in Hansens Körper verbraucht sein musste, brachten die "Verschwörer" das Gespräch wieder auf das Thema "Dachhasen" und schenkten ihm, zum Beweis seiner irrigen Meinung, nunmehr reinen Wein ein. Als der "Tatbestand" auch in der Küche bestätigt wurde, befiel Hans tatsächlich ein ernstliches Übelsein und es bedurfte langer ärztlicher Kunst, um ihn schliesslich wieder auf die Beine zu stellen.
I N H A L T - Geschichte