Einführung in die Geschichte der Siebenbürger Sachsen
Siebenbürgen liegt in der Mitte Rumäniens, eingebettet in den großen Bogen der Ost-, Süd- und Westkarpaten. Der bis zu 2500 Meter hoch anfragende Gürtel der Karpaten wird außer durch einige Höhenpässe von drei großen Flüssen - dem Somesch, dem Mieresch und dem Alt - durchbrochen, die, nachdem sie die siebenbürgische Hochebene durchzogen haben, diese nach Norden, Westen und Süden gegen die ungarische Tiefebene und die rumänische Donauebene öffnen. Dadurch ergaben sich im Laufe der Geschichte häufige Bevölkerungsbewegungen sowie ethnische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den zu beiden Seiten der Gebirge lebenden Völkern. Der älteste in den Urkunden vorkommende Name des Landes ist Transsilvania, also das Land jenseits der Wälder. Die Ungarn nennen das Land Erdely, was in ihrer Sprache dasselbe bedeutet, woraus sich Ardeal, die von den Rumänen gebrauchte volkstümliche Bezeichnung, entwickelte. Den Namen Siebenbürgen haben erst die deutschen Siedler dem Lande gegeben. Er hat weder in der rumänischen noch in der ungarischen Sprache eine Entsprechung.
Im 12. und 13. Jahrhundert wurden von den ungarischen Königen zu dem verstreut lebenden autochtonen Element der Rumänen und den kurz vorher zum Grenzschutz im Süden und Osten angesiedelten Szeklern deutsche Siedler in das Land gerufen. Besonders zu den Szeklern ergaben sich frühzeitig Beziehungen, da die Deutschen zum Teil in Gebieten angesiedelt wurden, die kurz vorher von den inzwischen weiter nach Osten vorgerückten Szeklern aufgegeben worden waren, worauf heute noch einige Ortsnamen hinweisen (Sebes-Mühlbach, Urwegen, Keisd).
Die deutschen Siedlungen erstreckten sich nicht auf ganz Siebenbürgen. Abgesehen von einigen Bergwerksiedlungen, wie zum Beispiel Rodenau (Rodna), die zu den ältesten gehörten, entstanden durch die Einwanderung einige kompakte deutsche Siedlungsgebiete, vor allem in Südsiebenbürgen. Das älteste, zur Zeit König Geysa II. (1141-1161) besiedelt, umfaßte die Gebiete um Mühlbach, Hermannstadt, Großschenk, Reps, im Andreanischen Freibrief das Land »von Broos bis Draas« genannt, das verwaltungsmäßig in den »Sieben Stühlen« mit dem Vorort Hermannstadt zusammengefaßt wurde. Am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Burzenland durch den Deutschen Orden besiedelt, den König Andreas II. 1211 in das Land rief, aber schon 1225 wieder vertrieb. Die deutschen Siedler jedoch blieben im Land und schlossen sich später verwaltungsmäßig in dem Kronstädter Distrikt zusammen. Ungefähr zur selben Zeit - Ende 12., Anfang 13. Jahrhundert - wurde auch das Nösnerland, zwischen dem Großen Somesch und dem Oberlauf des Mieresch gelegen, mit deutschen Kolonisten besiedelt, das später den Bistritzer Distriktbildete. Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen deutsche Siedler in die Gebiete an der Großen Kokel um Schäßburg und Mediasch, die zumTeil in den »Zwei Stühlen« zusammengefaßt wurden. Diese vier sächsischenGebietskörperschaften hingen territorial nicht zusammen; auch innerhalb ihrerGebiete gab es Enklaven, die nicht von Deutschen besiedelt waren. Dadurchergaben sich mannigfache Beziehungen zwischen den deutschen Kolonistenund den rumänischen und ungarischen Bevölkerungsgruppen des Landes.
Die sächsische Geschichtswissenschaft hat sich viel mit der Frage nachder Herkunft der deutschen Siedler beschäftigt. Da Urkunden aus der Einwanderungszeit fast völlig fehlen, schalteten sich die Sprachwissenschaft unddie Archäologie in diese Forschungen ein. Wie nachgewiesen werden konnte,kam ein großer Teil der Einwanderer aus dem mittelfränkischen Sprachraum.Die in Luxemburg an der Mosel gesprochene Mundart weist große Ähnlichkeit mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen auf. Jedoch kamen auch Siedler ausMittel- und Süddeutschland. Ja auch Nicht-Deutsche, Wallonen (Flandrenses)und Franzosen (Latini) aus dem heutigen belgischen Raum, waren unter ihnen. Erst hier im Lande sind diese sprachlich verschiedenen Bevölkerungselemente zu einer völkischen und politischen Einheit zusammengewachsen,die von der königlich-ungarischen Kanzlei »Saxones« genannt wurde. Sieselber nannten sich schließlich ebenfalls »Siebenbürger Sachsen« und sind alssolche in Geschichte und Gegenwart bekannt.
Die Einwanderer waren zum größten Teil Bauern. Aber auch Kleinadlige,die als Lokatoren den Einwanderungprozeß leiteten, sowie Handwerker,Kaufleute und Geistliche waren unter ihnen. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts überwog der Einfluß des von ihren »Gräfen« (Kleinadligen) geführtenbäuerlichen Elements. Dann wuchs die Bedeutung der sich entfaltendenStädte - Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz, Mühlbach, Schäßburg undMediasch - immer mehr, so daß seit dem 15. Jahrhundert das Bürgertum -obwohl zahlenmäßig in der Minderheit - die politische Führung übernahm.
Die Einwanderung der Deutschen in Siebenbürgen erfolgte historisch gesehen im Zuge der großen Bevölkerungsbewegung des 12. und 13-. Jahrhunderts, die unter der Bezeichnung »deutsche Ostkolonisation« in der Geschichte bekannt ist. Im Gegensatz zur deutschen Einwanderung in die slawischen und baltischen Länder, die zum Teil auf kriegerischem Weg vor sichging, erfolgte die Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen friedlich. Sie kamen,von den ungarischen Königen gerufen (»vocati fuerunt«), in das damals dünnbesiedelte Land, um es durch die ihnen bekannten fortschrittlicheren Methoden in Landwirtschaft, Bergbau und Gewerbe wirtschaftlich zu erschließen.Gleichzeitig übernahmen sie auch die Verteidigung der ihnen zugeteilten Gebiete, vor allem in Südsiebenbürgen, gegen die damals noch häufigen Einfälleder Kumanen.Für diese Leistungen erhielten sie von Anfang an eine Reihevon Rechten und Privilegien. Das bedeutendste war der Große FreibriefAndreas II. von 1224, der auf noch älteren Rechtsvergabungen aus der Zeit der Einwanderung unter König Geysa II. beruht (Abb. 2). Aufgrund diesesFreibriefes waren die Sachsen verpflichtet, dem König jährlich 500 Mark Silber zu zahlen, nach dem auf den 11. November, den Martinstag, festgesetztenAbgabetermin »Martinszins« genannt, und ihm im Kriegsfall 500 bewaffneteKrieger zu stellen. Dafür erhielten sie das Recht, sich ihre Beamten, Richterund Pfarrer selbst zu wählen, mit Ausnahme des obersten Richters, desHermannstädter Grafen, den der König ernannte. Sie waren von jeder fremdenGerichtsbarkeit befreit und durften nur nach ihrem eigenen Gewohnheitsrechtgerichtet werden. Ausdrücklich wurde bestimmt, daß kein fremder Adligerdas Recht habe, Gebiete ihres sogenannten »Königsbodens« für sich zu beanspruchen oder die Freiheiten der Sachsen anzutasten. Der AndreanischeFreibrief war zunächst nur für die Sieben Stühle ausgestellt. Später erhieltenauch der Kronstädter (1353) und der Bistritzer Distrikt (1366) ähnliche Privilegien. Im Zuge des politischen und verwaltungsmäßigen Zusammenschlussesaller freien sächsischen Gebiete wurde jener Freibrief auch auf diese übertragen und galt durch die Jahrhunderte als das Grundgesetz der SiebenbürgerSachsen.
Der Andreanische Freibrief war jedoch nur für die vom König auf demfreien »Königsboden« angesiedelten Sachsen gültig. Aber auch ungarischeAdlige sowie sächsische, später magyarisierte »Gräfen« hatten den Einwanderungsprozeß gefördert und deutsche Kolonisten auf ihren Gütern angesiedelt.Im Zuge des fortschreitenden Feudalisierungsprozesses wurden diese gleichden rumänischen und ungarischen Bauern auch zu Fronbauern, in Siebenbürgen »Jobagen« genannt. Solche unfreie sächsische Siedlungen gab es vor allem im Gebiet zwischen den beiden Kokeln, in der Gegend von Mühlbach, imsogenannten »Zekesch«, sowie im Gebiet zwischen Bistritz und Reen. Jedochbesaßen auch die großen Städte Hennannstadt, Kronstadt und Bistritz untertänige Dörfer mit sächsischer Bevölkerung. Die unfreien sächsischen Bauernmachten etwa ein Drittel der gesamten sächsischen Bevölkerung aus. Erst1849, durch die Aufhebung der Leibeigenschaft in Siebenbürgen, wurden sie frei. Die Spuren der schweren Jahrhunderte der Leibeigenschaft jedoch habensich bis heute noch im äußeren Bild dieser Gemeinden erhalten.
Der kompakte Einwanderungsprozeß der Siebenbürger Sachsen kann amEnde des 13. Jahrhunderts als abgeschlossen betrachtet werden. Jedoch erfolgten auch in den folgenden Jahrhunderten, bis zum 19., ja auch noch biszum Beginn des 20. Jahrhunderts, immer wieder neue Zuwanderungen, vorallem in die Städte. Dadurch riß die Verbindung zum binnendeutschen Siedlungsraum nicht ab. Erstaunlich viele Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte und Kulturgeschichte entstammten später zugewanderten Familien.Die sächsischen Siedler haben die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt und wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung Siebenbürgens beigetragen. Jedochmußten sie die Früchte ihrer Arbeit immer wieder im zähen Kampfe gegenauswärtige Feinde verteidigen. Der erste schwere Schlag war der Mongolensturm von 1241/42, durch den die jungen Siedlungen - Dörfer und Städte -fast ganz zerstört wurden. Die Ortschaften wurden niedergebrannt, die Bewohner erschlagen, viele Taugende in die Gefangenschaft geschleppt. Nachder Erfurter Chronik überlebten in Hermannstadt hundert Menschen. Nurdurch neue Zuwanderungen konnten die zerstörten sächsischen Siedlungenwieder aufgebaut werden, manche blieben für immer Wüstungen. Denn nochüber hundert Jahre lang fielen die Mongolen, die sich nördlich des SchwarzenMeeres in der »Goldenen Horde« zusammengeschlossen hatten, immer wieder in Siebenbürgen ein. Mitte des 14. Jahrhunderts aber war ihre Macht gebrochen.
Südlich und östlich der Karpaten entstanden junge lebensfähige rumänische Staaten - 1330 die Walachei, 1359 die Moldau -, die Mongoleneinfalle in Siebenbürgen hörten auf. Erst im 16. und 17. Jahrhundert wurdendie Mongolen unter dem Namen »Tataren« als Begleiter der türkischen Heerscharen wieder zum Schrecken der siebenbürgischen Bevölkerung.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts setzte die erste Blütezeit der sächsischen Geschichte ein. Die relativ friedlichen Verhältnisse begünstigten vorallem das Aufblühen der Städte, die sich aus kleinen Anfängen zu bedeutenden Handels und Handwerkerzentren entwickelten. Sie wurden gefördertdurch die städtefreundliche Politik der ungarischen Könige aus dem HauseAnjou, Karl Robert (1308-1342), Ludwig (1342-1382) und dessen Schwiegersohn Sigismund von Luxemburg (1387-1437). Vor allem aber trugen die Beziehungen zu den rumänischen Fürstentümern zur Entfaltung der Städte bei,da jene für sie, wie aus zahlreichen Handelsverträgen hervorgeht, einerseitsstabile Handelspartner, andererseits gesicherte Durchzugsländer für denOrienthandel waren. Denn der Handel der freien sächsischen Städte - vorallem Hermannstadts, Kronstadts und Bistritz's, die an den Ausgängen derKarpatenpässe lagen - erstreckte sich in dieser Zeit vom Schwarzen Meer bisnach Westeuropa, vom Mittelmeer bis nach Polen und in das südliche Rußland.
Ebenso entwickelte sich das Handwerk in den Städten. Schon 1376 gab esim Gebiet der Sieben Stühle 19 Zünfte, die 25 Gewerbe umfaßten. Bis zumEnde des 15. Jahrhunderts gewann die handwerkliche Produktion immer mehran Gewicht, was sich auch auf die soziale Struktur der Städte auswirkte; neben den Patriziern wurde der Handwerkerstand immer mehr zur Führung undSelbstverwaltung der Städte herangezogen. Auch das Handwerk verdankteseine Entfaltung vor allem den engen wirtschaftlichen Beziehungen zu denrumänischen Fürstentümern, da die sächsischen Handwerker zum großen Teilfür den Export in diese arbeiteten. Der Aufschwung des zünftigen Handwerks seit dem 15. Jahrhundert wirkte sich zweifellos auch auf die Entwicklung desbäuerlichen Handwerks, also auf die Volkskunst aus.
Die Städte wurden also seit dem 14. Jahrhundert immer mehr politische,wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkte der Sachsen; seit dem Beginn derTürkeneinfälle erhielten sie durch ihre Befestigungsanlagen auch eine hervorragende militärische Bedeutung.
Während sich innerhalb der sächsischen Bevölkerung neben den Bauernein starkes Bürgertum entwickelte, vollzog sich auch auf dem Land ein sozialer Umschichtungsprozeß. Die Gräfen hatten in den ersten Jahrhunderten dersächsischen Geschichte nicht nur in ihren Dörfern, sondern innerhalb der gesamten sächsischen Bevölkerung eine führende politische und militärischeRolle gespielt. Dafür hatten sie zahlreiche Vorrechte politischer und wirtschaftlicher Art für sich in Anspruch nehmen können. Allmählich hatten sieversucht, die Erblichkeit dieser Vorrechte für ihre Familien durchzusetzen(»Erbgräfen«). Sie hatten ihren Grundbesitz zum Teil auf Kosten der freienGemeinden, zum Teil durch Erwerb adliger Güter vermehrt und begonnen,sich der Lebensweise und der Rechtsstellung der ungarischen Adligen anzupassen. Die freien sächsischen Bauern waren in Gefahr, Leibeigene zu werden. Dagegen erhoben sich die Bauerngemeinden. In zähem Kampf gelang es ihnen, die Ansprüche jener Adelsschicht zurückzuweisen und ihre Freiheit zubehaupten. Die Familien der Erbgräfen starben aus oder gingen in den ungarischen Adelsstand über, teilweise wurden sie auch von dem wohlhabendensächsischen Bauernstand aufgesogen. Ihr Besitz ging an die freien Dorfgemeinden über, wie zum Beispiel die schöne Burg von Kelling, die aus einerAdels- zur Bauernburg wurde. Seit etwa 1500 gab es auf Königsboden keineAdligen mehr, die Sachsen blieben ein freies Bauernvolk, eine in der mittelalterlichen Geschichte Europas fast einzigartige Erscheinung.
Die Zeit der friedlichen Entwicklung seit dem Aufhören der Mongoleneinfalledauerte wenig mehr als ein halbes Jahrhundert. Die Türken hatten in jenerZeit den Balkan erobert und waren in die Walachei eingebrochen. Am Endedes 14. Jahrhunderts fielen sie zum erstenmal in das Burzenland ein. Damitbegann eine Epoche schwerster Kämpfe, die die Geschichte Siebenbürgens inden nächsten drei Jahrhunderten geprägt hat.
Das 15. Jahrhundert stand unter dem Zeichen des Abwehrkampfes gegendie türkischen Angriffe. Den immer häufiger sich wiederholenden Einfällenfielen 1420 Broos, 1421 Kronstadt, 1438 Miihlbach zum Opfer. WährendKronstadt sich bald wieder erholte, haben Broos und Mühlbach ihre frühereBedeutung nicht wiedererlangen können. Zahlreiche Dörfer wurden zerstört,von denen manche nie wieder aufgebaut wurden. Auch in dieser Zeit habendie Sachsen ihre Verpflichtung zum Schutze der Heimat treu erfüllt. In allengroßen Abwehrschlachten stand ihr Heerbann an der Seite des gesamtsiebenbürgischen, der rumänischen und der ungarischen Heere: 1395 unterstütztensie Mircea den Alten bei der Rückeroberung seines Landes, 1442-1456 nahmen sie an den großen Schlachten Johannes Hunyadis teil, 1479 kämpften sieunter der Führung des Hermannstädter Bürgermeisters Georg Hecht an derSeite der anderen Völker Siebenbürgens in der blutigen Schlacht auf demBrodfeld, 1595 unterstützte ein sächsischer Heerbann unter der Führung desSachsengrafen Albert Huet Michael den Tapferen bei der RückeroberungGiurgius. Vor allem aber bauten sich die Sachsen, um überleben zu können, indieser Zeit ihr eigenes Verteidigungssystem aus, in den Städten die starkenBefestigungsanlagen, in den Dörfern die Kirchenburgen, von denen heutenoch 160 stehen und der siebenbürgischen Landschaft ihr Gepräge geben.Damit haben die Siebenbürger Sachsen einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigung des ganzen Landes geleistet; denn die Mauern der Städte und dieKirchenburgen waren die einzigen Plätze, an denen sich der Ansturm derTürken brach und innerhalb derer die siebenbürgische Bevölkerung Zufluchtfinden konnte.
Im Schutze ihrer Mauern entfaltete sich trotz der schweren Kämpfe dasLeben der Sachsen weiter. Von außen bedroht, gelang ihnen gerade in dieserZeit der politische Zusammenschluß aller auf Königsboden lebenden Sachsenund die Erlangung der völligen Autonomie. Die zwei Stühle, der Kronstädterund der Bistritzer Distrikt, die ursprünglich vom König ernannten ungarischenAdligen unterstanden, hatten deren Oberhoheit abgeschüttelt; sie erkanntenals oberste Gerichtsinstanz die Gauversammlung der Sieben Stühle an undhielten in wichtigen Fragen mit dieser gemeinsame Versammlungen. So entstand am Ende des 15. Jahrhunderts die »Nationsuniversität« als oberste politische und Verwaltungsbehörde der Siebenbürger Sachsen. Der Hermannstädter Graf, dessen freie Wahl auf Lebenszeit Matthias Corvinus 1464 anerkannt hatte, stand ihr als »Sachsengraf« vor. Außer der Verwaltungsautonomie besaßen die Sachsen ihr eigenes Recht, das 1583 durch den KronstädterJuristen Matthias Fronius im »Eigenlandrecht der Siebenbürger Sachsen«schriftlich festgelegt und vom siebenbürgischen Fürsten bestätigt wurde unddas für die Sachsen auf Königsboden bis 1853 Gültigkeit besaß. Als eigene,gleichberechtigte »Nation« (Landstand) waren sie neben den ungarischenAdligen und den Szeklem auf dem Siebenbürgischen Landtag vertreten.
Auf kulturellem Gebiet kann gerade das 15. Jahrhundert als eine Blütezeitangesehen werden. Nicht nur in den Städten, sondern auch in fast allen Dörfern werden Schulen erwähnt, die ältesten 1334 in der Gegend von Broos. DieBauern- und Kirchenburgen besaßen eigene Räume für die Schule, so daß derUnterricht auch in der Zeit der Belagerung weitergehen konnte. Ein Beweisfür den hohen Bildungsstand der Sachsen war deren häufiger Besuch ausländischer Universitäten, vor allem der zur Zeit des Humanismus hervorragendenUniversitäten von Wien und Krakau. Allein in Wien studierten seit der 1365erfolgten Gründung der Universität bis 1530 über tausend SiebenbürgerSachsen, und dies nicht nur aus den Städten, sondern auch aus den Landgemeinden. In die Heimat zurückgekehrt, trugen sie zur Hebung der Bildungihrer Landsleute bei. Neben den Handelsreisen der Kaufleute, den Wanderjahren der Handwerkergesellen, die bis in das 19. Jahrhundert für jeden werdenden Meister verpflichtend waren, trugen diese Studien sächsischer Studentenan ausländischen Hochschulen wesentlich dazu bei, daß eine enge Verbindung zur kulturellen Entwicklung der europäischen Länder, vor allem zuDeutschland, Österreich und Böhmen bestand.
Der innere Zusammenhang mit der kulturellen Entwicklung Europaszeigte sich vor allem auch in der Baukunst und Malerei. Im 15. Jahrhundertbauten oder vollendeten die Städte ihre großen gotischen Kirchen, aber auchauf den Dörfern wurden schöne Bauten errichtet. Dasselbe kann von derTafelmalerei gesagt werden, deren bedeutendste Werke heute außer inMediasch, gerade in den Dörfern erhalten sind, in Birthälm, Malmkrog, Tartlau, Heldsdorf und vielen anderen. Auf musikalischem Gebiet war sowohl dieKirchenmusik (Chorgesang, Orgel) als auch die weltliche Musik (Bläserformationen - Turner, Lautenschlägerei) entwickelt. Diese künstlerischenLeistungen beeinflußten, vor allem, da sie auf das Dorf ausstrahlten,wesentlich die Entfaltung der Volkskunst.
Die kulturelle Entwicklung im 15. Jahrhundert bereitete die Blütezeit dersächsischen Kultur in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter vonHumanismus und Reformation, vor. Deren bedeutendster Vertreter warJohannes Honterus in Kronstadt, wo 1542 zuerst der evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache eingeführt wurde. Diese neuen Kulturströmungenfanden ihren Ausdruck in der Gründung von höheren Schulen (Gymnasien),Buchdruckereien, Bibliotheken, der Beschäftigung mit den Wissenschaften,vor allem der klassischen Philologie, aber auch der Rechtswissenschaft, denNaturwissenschaften, der Medizin und der Geschichte. Die Reformation begünstigte die Einführung der Muttersprache auf allen Gebieten des geistigenLebens.
Als die Siebenbürger Sachsen diese höchste Blüte ihrer kulturellen Entwicklung erlebten, hatte sich die politische Lage bereits grundlegend geändert.1526 war in der Schlacht von Mohäcs Ungarn zusammengebrochen, die Türken waren bis vor Wien vorgedrungen. Nach jahrzehntelangen schweren inneren Kämpfen zwischen Ferdinand von Habsburg und dem von den Türkenunterstützten Johann Zapolya löste sich Siebenbürgen vom KönigreichUngarn, es wurde 1542 zu einem autonomen Fürstentum unter türkischerOberhoheit. Dadurch wurde die politische Verbindung zu Westeuropa abgeschnitten, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung stark behindert; Siebenbürgen gehörte für anderthalb Jahrhunderte zum großen türkischenMachtbereich. Daraus ergaben sich für die Sachsen neue schwere Gefährdungen ihrer Existenz.
Die Schwierigkeiten lagen nicht direkt an der türkischen Herrschaft undAusbeutung, mit denen man sich abzufinden verstand. Das Verheerende dieser Zeit war, daß die Kämpfe zwischen den Türken und Österreich um Siebenbürgen, die nach 1526 begonnen hatten, nicht mehr abrissen und dadurchdieses Land für anderthalb Jahrhunderte zum Kriegsschauplatz wurde, vonfremden, verwilderten Kriegsscharen zertreten und zerstört. Nicht nur einmalwurde. wie ein Kronstädter Chronist im Jahr 1658 berichtet, »unser liebesVaterland Siebenbürgen zu einem Steinhaufen gemacht«. Die Dörfer wurdenzerstört, ihre Bewohner, soweit sie sich nicht in die Kirchenburgen rettenkonnten, in die Gefangenschaft geschleppt, die Ernten und der Viehbestandvernichtet. Dadurch brachen Hungersnöte aus, gefolgt von Pestepidemien, diein den Städten zu wiederholten Malen über die Hälfte der Bevölkerung hinwegraften. Der Handel, bis dahin Lebensnerv der sächsischen Städte, lagdarnieder und ging in dieser Zeit in die Hände ausländischer Kaufleute, Griechen und Armenier, über. Die Städte Schäßburg (1676) und Kronstadt (1689)fielen vernichtenden Bränden zum Opfer. Obwohl völlig verarmt, mußte dasLand die Kosten der fremden Besatzungen tragen. Da Adel und Szeklersteuerfrei waren, lasteten diese vor allem auf den freien Sachsen, die dadurchin Schulden gerieten, die sie nicht mehr abtragen konnten. Am Ende des 17.Jahrhunderts betrug ihre gesamte öffentliche Schuldenlast drei MillionenGulden, die sich unter der österreichischen Herrschaft noch weiter steigerte.Eine vollkommene Verarmung, ja Entvölkerung der freien sächsischen Gebiete war die Folge. Zahlreiche Bauern, die ihre Schulden nicht zahlen konnten, gingen freiwillig mit ihren Familien als Hörige auf Adelsboden. Nach einer amtlichen Zählung von 1695 waren fast die Hälfte der Höfe auf Königsboden verbrannt oder verlassen. Rumänische und ungarische Bauern wurdenin die leeren Hofstellen angesiedelt. Das 17. Jahrhundert bedeutet den Tiefpunkt der sächsischen Geschichte.
Zu dieser durch äußere Einwirkungen entstandenen Not kamen innere Gefahren. Der siebenbürgische Adel, früher von den Königen in Schach gehalten, begann die freie, privilegierte Stellung der Sachsen anzugreifen. Es handelte sich sowohl um nationale als auch um soziale Gegensätze. Die Adligentrachteten vor allem danach, die wirtschaftlich und militärisch bevorzugtenStädte, in denen die Sachsen ausschließliches Bürgerrecht besaßen, in dieHand zu bekommen, was ihnen in Schäßburg und Bistritz vorübergehendauch gelang (1601). Die aus dem Adel hervorgegangenen Fürsten unterstützten sie dabei oder begannen ihrerseits den Kampf gegen die Sachsen, wieGabriel Bäthori, der 1610 Hermannstadt besetzte und zerstörte, und dessenVorhaben, die Sachsen ihrer freien Stellung zu berauben, nur durch den entschlossenen Kampf des Kronstädter Stadtrichters Michael Weiß, der in derSchlacht bei Marienburg 1612 fiel, abgewehrt werden konnte.
Die allgemeinen Verfallserscheinungen des 17. Jahrhunderts führten auchzu einer inneren Demoralisierung des sächsischen Lebens, vor allem der städtischen Führungsschichten. Amtsmißbrauch, Korruption und persönliche Bereicherung, ja auch Gewaltakte und Verbrechen entfremdeten diese sowohlihrem eigenen städtischen Bürgertum als auch den Landgemeinden, da sieversuchten, diese ihrer unabhängigen Rechtsstellung zu berauben. Die Folgedavon waren Bürgeraufstände, 1645 in Hermannstadt, 1659/60 in Schäßburg,1688 in Kronstadt, gegen die eigene Obrigkeit, sowie 1673-1678 der Aufstandder freien Bauerngemeinde Keisd gegen den Schäßburger Rat. Die VersucheSachs von Hartenecks, einem der bedeutendsten Sachsengrafen der sächsischen Geschichte, die Lebensgrundlagen der sächsischen Gemeinschaft durchReformen zu erneuern, scheiterten an den von den Kaiserlichen unterstütztenIntrigen des siebenbürgischen Adels, aber auch durch seine Verstrickung inpersönliche Schuld. 1703 wurde er auf dem Marktplatz von Hermannstadtenthauptet.
Inzwischen war der jahrzehntelange Krieg zwischen den Kaiserlichen undden Türken mit dem Sieg Habsburgs beendet worden. 1691 wurde Siebenbürgen im »Leopoldinischen Diplom« zum Fürstentum unter österreichischerHerrschaft erklärt; 1699 erkannten die Türken im Frieden von Karlowitz denVerlust des Landes an. Aber noch folgten Jahre der schwersten innerenKämpfe, die unter der Bezeichnung »Kurutzenkriege« bekannt sind, bis dieHerrschaft Österreichs über das Land gesichert war (1711).
Die österreichische Herrschaft brachte dem Lande nach jahrundertelangen Kämpfen für lange Zeit wieder den Frieden. Mit Ausnahme der Revolutionsjahre 1848/49 war Siebenbürgen bis 1916 nicht mehr Kriegsschauplatz.Trotzdem ging der wirtschaftliche Wiederaufbau sehr langsam vor sich, behindert durch die große Steuerlast und durch die merkantilistischen Wirtschaftsmethoden der österreichischen Regierung. Der Handel konnte sichdurch die Unterbindung der Handelsbeziehungen zum Ausland nicht entwickeln, das Handwerk war durch die neue Grenze zwischen Siebenbürgenund den rumänischen Fürstentümern und durch die Konkurrenz der österreichischen Waren schwer beeinträchtigt. Siebenbürgen war, politisch und wirtschafdich gesehen, ein Nebenland an der Grenze des großen österreichischenMachtkomplexes. Zu einer Zeit, da im Westen Europas, aber auch im aufblühenden Banat, Manufakturen, ja auch schon Fabriken gegründet wurden, bliebSiebenbürgen ein Land mit rückständigen Produktionsverhältnissen.
Die österreichische Herrschaft brachte auch andere Enttäuschungen. DenRekatholisierungsversuchen konnten die Sachsen zwar erfolgreich Widerstand leisten. Aber die absolutistischen Regierungsmethoden der Habsburgerbedrohten die sächsische Selbstverwaltung. Kaiser Joseph II., der kein Verständnis für die besonderen siebenbürgischen Verhältnisse besaß, löste durchseine Verwaltungsreformen den Königsboden und die Nationsuniversität auf.Zwar wurden diese Maßnahmen nach seinem Tod rückgängig gemacht, aberunter seinen Nachfolgern erfolgten immer neue schwerwiegende Eingriffe indie inneren Angelegenheiten der Sachsen. Die Privilegien begannen ihrenWert zu verlieren.
Positiv wirkte sich die österreichische Herrschaft auf kulturellem Gebietaus. Siebenbürgen bekam nun wieder Anschluß an den mittel- und westeuropäischen Kulturbereich. Aufklärung, Barock und Rokoko, die damals inÖsterreich zu hoher Blüte gelangten, strahlten nach Siebenbürgen aus und beeinflußten die kulturelle Entwicklung des Landes. In dieser Beziehung bildeten die Jahre, in denen ein Siebenbürger Sachse, Freiherr Samuel vonBrukenthal, kaiserlicher Gouvemeur von Siebenbürgen war (1777-1787),einen neuen Höhepunkt. Nicht nur daß Brukenthal der österreichischen Regierung gegenüber standhaft für die Erhaltung der sächsischen Rechte eintrat;durch sein Vorbild, seine Bauten und Sammlungen wurde er ein bedeutenderFörderer der damaligen siebenbürgischen Kultur.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden durch die österreichischen Behörden protestantische Familien aus Deutschland und Österreich nach Siebenbürgen umgesiedelt. In einigen sächsischen Dörfern wie Neppendorf,Großau und Großpold faßten sie Fuß und geben als »Landler« diesen Gemeinden, gerade vom volkskundlichen Standpunkt, auch heute noch ihr besonderes Gepräge.
Die rückständigen wirtschaftlichen Verhältnisse im österreichischen Kaiserreich, vor allem aber die verfehlte Nationalitätenpolitik der Regierung, führten 1848 zum Ausbruch der Revolution, die in tragischer Weise die siebenbürgischen Nationen miteinander verfeindete. Die Hinrichtung StephanLudwig Roths, des bedeutenden sächsischen Volksführers, durch die ungarischen Revolutionsbehörden (11. Mai 1849) war ein Symbol für diese unglückselige Verflechtung der sozialen und nationalen Gegensätze im damaligen Siebenbürgen, der auch noch viele andere Bewohner des Landes, vor allem Rumänen aus dem Motzenland, zum Opfer fielen. Denn durch die Revolution zogen nach fast 140jähriger Friedenszeit die Greuel des Krieges in Siebenbürgen wieder ein.
Obwohl die Revolution durch die Österreicher, unterstützt von den Truppen des zaristischen Rußland, niedergeschlagen wurde, setzten sich in denfolgenden Jahren ihre Hauptforderungen dennoch durch: 1849 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, dadurch erhielten neben den rumänischen undungarischen Leibeigenen auch rund 40 000 sächsische Bauern ihre Freiheit;1863 wurde die Gleichberechtigung der Rumänen in Siebenbürgen gesetzlichanerkannt; es folgte eine Reihe von modernen Verwaltungsreforrnen. Auch inder Wirtschaft wurden die feudalen Schranken beseitigt, 1872 der Zunftzwangder Handwerker aufgehoben, Manufakturen und Fabriken gegründet; eineneue Zeit hielt ihren Einzug. Zwar fielen diesen politischen und wirtschaflichen Veränderungen auch die früheren Privilegien und die Selbstverwaltungder Sachsen zum Opfer: 1876 wurden der Königsboden und die Nationsuniversität endgülfig aufgelöst. Aber die Sachsen zeigten damals, daß ihre Stellung nicht auf den Vorrechten einer vergangenen Zeit beruhte, sondern aufihrer Fähigkeit, mit der neuen Zeit Schritt zu halten. Auf wirtschaftlichemGebiet nahmen sie auch weiter durch die Einführung fortschrittlicher Methoden in der Landwirtschaft und durch ihre Beteiligung am Aufbau der Industrie eine führende Stellung in Siebenbürgen ein. Die bedeutendste Persönlichkeit bei diesem wirtschaftlichen Aufbauwerk war Dr. Karl Wolff in Hermannstadt der die Sachsen ]ehrte, nicht mehr nur in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft zu sehen.
Der Anschluß Siebenbürgens an Ungarn (1868) brachte durch die von staatlicher Seite erfolgten Magyarisierungsbestrebungen neue Gefahren für die Sachsen, weckte aber andererseits, aus der Gegenwehr geboren, ein neues völkisches Selbstbewußtsein, das sich vor allem kulturell auswirkte. Die Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bildete wieder eine neue Blüte der sächsischen Kultur, auf dem Gebiet des Schulwesens, der Wissenschaft der Dichtung, der bildenden Kunst und der Musik, die weit bis ins 20. Jahrhundert ausstrahlte. Die Tatsache, daß die Rumänen in Siebenbürgen durch die staatlichen Magyarisierungsbestrebungen noch mehr zu leiden hatten als die Sachsen, führte zu einer Annäherung der beiden Bevölkerungsgruppen. So kam es, daß, als die Rumänen Siebenbürgens nach Beendigung des Ersten Weltlkrieges am 1. Dezember 1918 in Karlsburg ihre Vereinigung mit Rumänien erklärten, die Sachsen am 8. Januar 1919 in Mediasch sich dieser Erklärung anschlossen und sich ebenfalls für die Vereinigung Siebenbürgens mit Rumänien entschieden. Allerdings wurden in der Folgezeit keineswegs alle Versprechungen der Karlsburger Beschlüsse bezüglich der nationalen Gleichberechtigung erfüllt. Der Kampf um die Rechte der deutschen Minderheit ging auch im neuen Staat weiter. Hinzu kam, ausgehend vom damaligen Deutschland, eine neue Gefahr: die nationalsozialistische Bewegung, die trotz des Widerstandes einiger bürgerlicher und Arbeiterkreise in die deutsche Bevölkerung eindrang und eine Auseinandersetzung in deren Reihen zur Folge hatte. Die Teilung Siebenbürgens durch den Wiener Schiedsspruch von 1940 führte, da Nordsiebenbürgen an Ungarn fiel, zu einer verhängnisvollen Spaltung des Volkskörpers der Siebenbürger Sachsen. Noch weit schwerer waren die Auswirkungen für die Deutschen des Landes, nachdem Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hatte (Zwangsarbeit der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Sowjetunion, Enteignungen, willkürliche Verhaftungen und andere Strafmaßnahmen).
Zur selben Zeit noch vor dem Zweiten Weltkrieg, hatte eine soziale Umstrukturierung der sächsischen Bevölkerung begonnen. Im Zuge des Industrialisierungsprozesses entstand auch in Siebenbürgen, wenn auch wesentlich langsamer als im Banat eine sächsische Arbeiterschaft. Dieser Prozeß wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von staatswegen gezielt fortgeführt. Er betraf in verschärftem Maße die sächsische Bauernbevölkerung. Durch die Agrarreform von 1945 ihres angestammten Bodens beraubt, arbeitete nur ein kleiner Teil der sächsischen Bauem in den neugegründeten Kollektivwirtschaften Der größere Teil, vor allem die Jugend, ging als Arbeiter in die Fabriken derbenachbarten Städte. Viele wanderten in diese oder nach Deutschland aus.Dadurch begann ein Schrumpfungsprozeß, vor allem der kleinen sächsischenDörfer, der jedoch das Zeitalter der Industrialisierung weltweitcharakterisiert.
von Dr. Maja Philippi
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